Die zehnköfpige, jurasser Skaband bringt mit „Gitans Modernes“ (moderne Zigeuner) Ihre zweite Scheibe auf den Markt. Der einzige Punkt was die Leute alleine daran abschrecken wird, ist dass hauptsächlich in französischer Sprache gesungen wird. Wer das einmal überwunden hat und sich durch den Opener gekämpft hat, findet auf diesem Gesamtwerk eine Achterbahnfahrt erster Güterklasse. Vom tristen, im Hintergrund gehaltenen, Klavier bei „Sur La Route“, bis hin zum Punklastigen, im Gegensatz zu all den anderen Songs, extrem schnellen „Briser La Glace“ ist es ein auf und ab von Gefühlen und weckt in jedem die Reiselust. Was dieser ganze Klimbim jedoch mit Zigeuner am Hut haben soll, weiss ich leider nicht, da ich damit zwangsweise Gogol Bordello assoziiere, „Ska Nerfs“ jedoch würde der Begriff Orchestraler Ska besser stehen, weil die Bläsereinsätze, die Verwendung einer Geige, der Backgroundgesang von Laura Chaignat bis hin zum Klavier, oder die an Latin Jazz anliegenden Percussions, die auch ein wenig an Desorden Publico erinnern, jedes Mal perfekt Sitzen. Dazu kommen Stücke die über die fünf Minutengrenze gehen und bis ins kleinste Detail ausgedacht sind. Wer bei all dem noch ruhig sitzen kann, macht irgendetwas grundlegend falsch. „Gitans Modernes“ ist die erste beste Ska CD in diesem Jahrzehnt.
Eric